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Terror >2000

Jutta Ditfurths Kritik am Münchner Polizeieinsatz (und den Reaktionen darauf) basiert auf einer Einschätzung von Staat, Polizei und Freiheit, die heutzutage scheinbar recht anachronostisch ist. Die empörten Kritiker ihrer Kritik können ihre Argumente nicht im Entferntesten nachvollziehen. Denn sie haben so vieles vergessen oder nie gewusst oder nicht wissen wollen? Sie wollen hinnehmen und ausblenden, weil ihnen gesagt wurde, es wäre doch nur zu ihrem besten. Zusammenhänge? Roboter mit Senf.

Aber selbstverständlich war die quasi-militärische Reaktion des Staates auf einen einzelnen Amokläufer nicht verhältnismäßig. Über 2000 – zweitausend – 2K – Polizisten. In der Konsequenz egal, aber vielleicht interessant wäre schon, was der Polizist sich eigentlich dabei denkt. Etwa: Was mach ich hier eigentlich? Oder: So.

So, wie die Journalisten, die etliche Stunden das gleiche Nichts berichteten und die eigene Einsicht in die Schwachsinnigkeit der Veranstaltung zunehmend schlechter verbergen konnten. Denn absurd war die Flankierung durch die Medien – über Stunden wurde im Fernsehen übertragen, dass man nichts wisse und nur spekulieren könne. (Später beichtet auf Vice ein Journalist seine eigene Beklemmung in der Sache, anstatt sich stillschweigend zu überlegen, ob er sich eventuell den falschen Beruf ausgesucht hat.) Und naiv ist der Glaube, es wäre doch nur um die Verhinderung möglicher weiterer Opfer gegangen. Natürlich geht es immer darum. Und gleichzeitig geht es doch in stärkerem Maß um einen Wahn, eine Entmündigung, eine Struktur der Verunsicherung, eine autoritäre Geste der Einschüchterung. Um noch viel mehr. Auch (zum Beispiel) um die virulente Abnahme der Opfer von Terror in Europa seit den 70er Jahren und der eklatanten Zunahme an Panik (und -mache). Um Frankreichs Ausnahmezustand. Oder um 500 Polizisten, die ein Haus stürmen, weil Stunden vorher ein mutmaßlicher Schläger dort angeblich drin verschwunden ist. Das sind Ermöglichungen und Übergriffe auf Verhältnismäßigkeiten auf der einen Seite und deren Akzeptanz auf der anderen. Sich denen anzuvertrauen, die behaupten den Hut auf zu haben, selbst, wenn es offensichtlich eine Mütze ist, bedeutet: Statt sich der, die Vernunft zu unterwerfen. Mit dem Amoklauf, mit den Opfern, mit Bemühung um Sicherheit hat das weniger zu tun als mit der Einführung von Lebensmittelampeln.

Irrtümer, die die Welt bedeuten III

Gibt es in der Drogerie: In Plastik verschweißte Kerzenwachsplättchen. Zwanzig Stück in jeder Packung. Man erwärmt sie und kann damit dann Sachen ankleben. Etwa eine Kerze. Könnte man. Wäre das denn im Sortiment, wenn es niemand kaufen würde?

Ich werde ein Licht für euch anzünden. Vielleicht hilft es ja. Wer weiß.

zaun

beißt wind finde ich mich kalt scheiße lasse mich leiten leite mich von vorgegebenen mustern konzerten der allgemeinheit sinfoniepool bin ich eine wendeltreppe mit kaltem geländer nicht schnell genug abschalten ich bin noch dabei gleich bin ich weg augen zu rauscht fassungslos flau welt oder nur welle mir egal stürzt in mich durchs fenster ich bin dagegen wie ungelenke spinnenbeine und ungelenk dabei noch gelobt worden gerade habe mich gefreut und heute erst wieder macker raus hängenlassen dream on sozusagen dann gegen scheibe obwohl fenster doch offen erzählt und dabei geblüht und der hörer glühte vor lügen lasse mich jetzt später bleich anstrahlen und kümmer mich nicht um um um haha und um wird bei mir zur gehässigkeit an der meiner legitimationsillegalität nicht lang sondern weit unten nicht normativ vielleicht schleicht sich von hinten an gesicht trägt es dabei keine ahnung keine verbindung keine erklärung zufälliges erinnern im pauschalen modus klinisch damit nichts zu tun und kann es mir nicht verkneifen bin nicht schnell genug auch und hin wieder dabei wenn ich stocke und ein gähnen kann mich rausreißen aber die die bummeln gehen oder shoppen so oft was meinen mitten aufs paradekissen habe ich jene tür ein diesen weg zu geschlagen oder wars die umständlichkeit der umstände (frage)

Stimmen zum Buch:

turnhalley

skatendie

skate3

SO36 – 1978 bis heute

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VÖ: 1.4.2016

 

Sub Opus 36 e.V. (Hg.)

Hardcover, 462 Seiten + DVD

36,00 € (D) Ventil Verlag

 

ISBN 978-3-95575-054-1

 

Mehr als ein Buch. Schwerer als ein Pflasterstein. Ein Mythos in Wort, Bild und Ton. Ein Wälzer. Das legendäre SO36 im Herzen Kreuzbergs: Schrill, laut und kaputt. Kein Ort zum Wohlfühlen, sondern ein Kampfplatz. Kreativ und destruktiv, wild und wütend. Eine fast 40-jährige Geschichte der Musik und von Menschen, die einen Ort jenseits der Norm okkupieren. Ein Ringen um Freiheit und Selbstbestimmung. Punk, Ska, HipHop, Tunten, Türken, Techno, Theater der Grausamkeit im Saal und auf der Straße Demos und Bullenterror. Zerstörung und Wiederbelebung. Euphorie und Ernüchterung. Homos und Heteros. Autonome und Antifa, Alk und Drugs. Irre und Visionäre. Stimmen rauschen, erzählen unerhörte Geschichten. Hinter dem Scherengitter standen auch die Fehlfarben und The Cure im Dosenbierhagel. Hier haben fast alle gespielt, Legenden und Loser. Hier haben fast alle die Nacht durchgetanzt, Berliner* und Noch-nicht_Berliner*. Ein Soundtrack als Kopfkino an einem Ort, der zum Symbol geworden ist. Der Kampf geht weiter in einem Kreuzberg, das längst in der brutalen Wirklichkeit neoliberaler Stadtentwicklungspolitik angekommen ist. Das SO36 ein wandlungsfähiger Monolith und doch mehr als die Losung „Entertain us“. Ein Dinosaurier in der Clublandschaft zeigt sein Innenleben.

Geschichte wird gemacht.

 

Der opulente Jubiläumsband versammelt brutal chronologisch die Geschichten und Bilder, die diesem Ort entsprungen sind – eine Zeitreise durch die Epochen Kreuzberger Subkultur. Doch es geht um weitaus mehr als um eine Revue: Es wird auch die Frage verhandelt, warum der dreckige Punkschuppen oder schillernde Nachtclub das alles eigentlich überlebt hat. Ob Ratinger Hof oder CBGB’s – versunken, fast vergessen. Das SO36 aber bietet noch heute die Möglichkeit zur Ekstase, verpflichtet sich der Irritation. Der über 460 Seiten starke Bildband, ein fotolastiger Brocken, ist Rückblick und Anstiftung zugleich. Eine Zeitreise durch die Subkulturgeschichte Deutschlands, unter anderem mit Wolfgang Müller (Die Tödliche Doris), Claus Ritter (Male), Frieder Butzmann, Frank Z. (Abwärts), Bettina Köster (Malaria), Charly Harper (UK SUBS), Mark Reeder (Die Unbekannten), Volker Hauptvogel (MDK), Henry Rollins (Black FLag), Johnny Bottrop (Terrorgruppe), Rahel Kindermann (She-Devils), Lou Koller (Sick of it All), Roger Miret (Agnostic Front), Ipek Ipekcioglu, Elvira Westwärts, Fatma Souad, Page Hamilton (Helmet) und Sookee.

Große Buch Release Party am 28.3. ab 16°° im SO36