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Man ist nicht unbedingt pathologisch introvertiert oder ein Kontrollfreak, nur weil man nicht will, dass irgendwelche Leute alles mögliche über einen wissen können. Wenn man nichts zu verbergen hat, ist das zwar außerordentlich traurig, aber noch lange kein Grund, einen rigorosen Einblick in die Privatssphäre zu gewähren. Was sich die Berliner Polizei zusammenschnüffelt ist schon allerhand. Was viele Leute freiwillig oder unwissentlich preisgeben und was damit gemacht wird, erläutert das empfehlenswerte Buch “Die Datenfresser”.  Auf  http://datenfresser.info/ gibt es sowohl eine Leseprobe als auch Hinweise zum technischen Selbstdatenschutz

Verfassungsschutz

Verfassungsschutz-Präsident Fromm findet den Vorwurf, seine Behörde sei blind auf dem rechten Auge, “absurd”. Beim Podcast “alternativlos” kann man in Folge 8 und Folge 21 nachhören, wie absurd nicht der Vorwurf, sondern die Behörde selbst ist. Für Gregor Gysi ist der Verfassungsschutz, der Faschos finanziert und Abgeordnete der Linken bespitzelt, ein Pfeifenverein und hat eine schwere Meise. Damit hat er sicherlich Recht. Es ist allerdings eine rechtsextreme Meise, die man dringend abschalten sollte.

Der gute Hausmeister

Der Hausmeister der WBG “Bremer Höhe” im Prenzlberg ist – wie es ja auch sein soll, bei Hausmeistern – extrem pingelig und streng. Lässt man auch nur kurz etwas im Hausflur stehen, sofort hängt ein Zettel mit dem Hinweis auf Brandgefahr und einer festgelegten Wegräumfrist dran. Von Dachboden bis Keller – überall herrscht Ordnung. Und selbstverständlich sind Schmierereien oder Aufkleber schneller entfernt als angebracht. Bis auf Einen! Mitten auf das ansonsten keimfrei gehaltene Schwarze Brett klebte jemand schon vor langer Zeit einen Anti-Nazi-Aufkleber. Bis heute wird dieser vom Hausmeister geduldet. Es gibt also zum Glück immer noch Leute, die wissen, wo der Spaß aufhört.

 

Sozialschmarotzer

Im Dezember wurde bekannt, dass Justizsenator Michael Braun (CDU) nach 11 Tagen sein Amt räumt und dafür 48.000 Euro Übergangsgeld kassiert. Gestern wurde der Antrag der Linken, das Übergangsgeld nicht zu gewähren, abgeschmettert. Braun musste übrigens gehen, weil Vorwürfe erhoben wurden, er habe als Notar Schrottimmobilien beurkundet. Thomas Kleineidam (SPD) bezeichnete dagegen die Kritik der Linken als populistisch. Da bleibt einem die Spucke weg.

LOST IN THE SUPERMARKET

Angenommen, man braucht eine Dose Ravioli. Geht schnell in den nächsten Obersupermarkt. Kann einem auch egal sein, ob die Ravioli viel zu teuer sind, wird sich um eine Marge handeln, bei der man einfach auch mal gar nicht auf den Preis achten muss. Beiläufig registriert man den kindischen Versuch des Verkäufers, Gewinnmaximierung durch Aufstellung der teuren Raviolidosen in Augenhöhe und der billigen Dosen in Knöchelhöhe zu erreichen, vielleicht wählt man aus Lust an der Provokation sogar die Augenhöhe-Dose, oder auch, weil einem das Bücken keine 10 Cent wert ist oder auch einfach nicht. Und man kann die auch ohne konsumkritische Reflexion kaufen. DIY ist bei Dosenravioli eh so eine Sache. Selbst die Sorten – mit oder ohne, scharf oder nicht, rund oder eckig – also bei Dosenravioli kann einem sogar das egal sein. Zu Hause warm machen oder nicht, essen. Das wäre ein vorstellbares, durchaus unspektakuläres Szenario.

Geht aber nicht. Weil sich einem Mit-Konsumenten scharenweise mit ihren Schubwagen mit Castor-Rädern entgegenstellen, die ihrem Einkauf eine Bedeutsamkeit zuteilen, als ginge es nicht um sogenannte Lebensmittel, sondern um Leben und Tod, als könne der volle Umfang der Tragweite ihrer dortigen, nun anstehenden Handlung nicht überschätzt werden. Sie fahren sämtliche Regale bedächtig ab, als wäre man im Louvre. Als läge da nicht ein Stück Käse im Regal, sondern pures Gold oder der Papst oder was auch immer. Dieses vollkommen rätselhafte Verhalten, diese Wertschätzung von nahezu wertlosen, weil noch nicht mal mittelmäßigen Lebensmitteln, erstaunt mich jedes mal. Vielleicht aber ist es eine unsympathische und arrogante Art von mir, dass ich die liebevoll drapierten Produkte nicht auf mich wirken lasse und überlege, ob sie mich eventuell ansprechen. Vielleicht offenbart mein Einkaufsverhalten fahrlässige Schlamperei. Denn anscheinend ist jeder Entscheidungsprozess über das richtige Joghurt langwierig, komplex, multivariabel und erfordert Konzentration, Erfahrung, Verantwortung, kaufmännisches Talent und nicht zuletzt eine gute Kenntnis über das Produkt. Ich kämpfe mich vor, bis zu den Konserven. Lautstarkes Ansprechen desjenigen, der vor meiner Dose Ravioli steht, ruft keine Reaktion hervor. Zwischen seinen Beinen hindurch krieg ich eine zu fassen. Los, zur Kasse.

Die meisten Leute, das weiß ich aus eigener Erfahrung, schätzen Barrikaden im Allgemeinen nicht. Die kleinen, ordnungsstiftenden Balken auf dem Kassenband aber sind sehr beliebt, die dürften sogar brennen. Und benutzt man sie nicht, macht man sich unbeliebt. Der hinter mir stehende Mit-Konsument knallt mir einen vor und einen hinter meine Ravioli. Der vor mir schaltet im Moment des Bezahlens plötzlich aus heiterem Himmel in SloMo um. Er strahlt jetzt viel Ruhe aus. Er hat eine sogenannte Payback-Karte. Schwer zu erreichen im Portemonaie. Er sammelt Herzchen. Viele. Schwer zu verstauen. Schwer zu entbehren: das Geld. Es muss gefunden, sortiert, gezählt und übergeben werden. Das Rückgeld ebenfalls. Der weiße, schmale Zettel muss gelesen werden, gründlich. Und dann kommen ja noch die ganzen Waren, die sorgfältig verstaut werden müssen. Marmelade nach unten, Eier nach oben. Irgendwann heißt es für ihn tatsächlich: Abschied nehmen! Die Kassiererin nimmt jetzt meine Dose Ravioli und … – der vor mir kommt zurück: „Tschuldigung, da stimmt was nicht.“

Also jedenfalls kommt man nicht als Soziopath auf die Welt.

Die Primatenpartei

Aus einem Gender-Thread im Piraten-Forum zur Frage, ob die Piraten sexistisch sind:

„mimimi”

„In meinen Augen ist das ein Versuch aus der Grünen-Ecke uns eine
Diskussion aufzudrücken, die in meinen Augen so was von 80er ist. Wir
haben das überhaupt nicht nötig, uns in so einen Flamewar drängen zu lassen.“

„Wir engagieren uns als Menschen und nicht als Frauen in der Piratenpartei. Denkt mal drüber nach.”

„Das Thema ist, dass wir solche Sexistinnen wie Leena haben, die No-Go Areas für Männer errichten wollen. Und nein, das sollten wir auf keinen Fall länger totschweigen.“

Auf meine Frage, ob das alles wäre – Chauvi-Rumgeätze und keine Bereitschaft, sich mit Geschlechterfragen auseinanderzusetzen – bekam ich die knappe und ehrliche Antwort:

„Ja.“